Rutheneum
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Schleiz

 

 



Rutheneum nannten die Reußen ihre Bildungsstätten. Heinrich des Älteren jüngster Sohn trug im 13. Jahrhundert den Beinamen "der Russe", "der Reuße" und "der Ruthene". Er hatte die kluge Tochter Maria der russischen Fürstin Swihowska und eines galizischen Fürsten geheiratet. Die Bezeichnung "Rutheni" für die Bewohner der östlichen Gebiete (heute etwa Ukraine, Weißrussland und Teile Russlands) ist die lateinisierte Form von Russ/Russia, sodass die Abteilung Russen - Reussen - Ruthenen - Rutheneum sehr wahrscheinlich ist.

 

Rutheneum zu Schleiz
um 1735 - 1837

Rutheneum zu Schleiz
um 1900


  • Schleiz hat eine lange Tradition als Schulstadt. 1284 erhält der Deutschritterorden das Patronat über die Pfarrkirche Schleiz. Es wird vermutet, dass am 6. Februar, dem Dorotheentag, auch die Schule gegründet worden war.
  • 1374 gab es hier eine Lateinschule, welche sich vermutlich sogar an jener Stelle befand, wo heute das RUTHENEUM steht. Sie stand unter dem Patronat des Deutschen Ordens, dessen Komturei in den Gebäuden am heutigen Kirchplatz untergebracht war.
  • 1485 hatte die Schule bereits drei Lehrer. Zunehmend kamen die Schüler aus dem Bürgertum, was der Entwicklung zur Stadtschule dienlich war.
  • 1656, am 25. August, ließ Landesherr Heinrich IX. Reuß-Schleiz einen Conrektor anstellen und erhob die Schule in den Rang eines Lyceums. Die Bezeichnung "Gymnasium" taucht dann im frühen 19. Jahrhundert auf, als das Lyceum in eine "Gelehrtenschule" und eine "Bürgerschule" getrennt wurde.
  • 1683 wurde verfügt: "Es soll prima und secunda Classis in eine Stube zusammengesezet und winters ein Feuer erspahret werden, dagegen dieselbe untermaches und verschlagen werden soll, so daß keiner dem andern hinderlich sey."
  • 1689 fiel das Schulgebäude leider bei dem großen Brand den Flammen zum Opfer, was die Anstalt in ihrer Entwicklung um Jahre zurück warf. Das Haus wurde vorerst nur notdürftig repariert.  1722 hieß es in einem Schreiben an den Landesherren, dass der Unterricht "fast mit Lebensgefahr" stattfinden musste.


  • 1735 konnte dann endlich das neue Gebäude eingeweiht werden. Aus dieser Zeit stammt auch noch der größte Teil der Fassade, die bis in den 2. Stock vorhandenen Gewölbe und das Portal. Die über letzterem angebrachte Inschrift enthält ein Chronogramm. Das heißt, die vergrößerten Buchstaben sind römische Ziffern und ergeben in der Addition das Jahr der Erbauung:

I (1) + I (1) + C (100) + I (1) + I (1) + V (5) + D (500)

L (50) + I (1) + I (1) + M (1.000) + I (1)

V (5) + L (50) + V (5) + I (1) + I (1) + I (1)

V (5) + V (5)

=

1735



  • 1860 war der reußische Landtag der Meinung, dass durch die Schließung des Schleizer Gymnasiums Geld eingespart werden konnte. Heftige Proteste und letztendlich der Einspruch des Fürsten Reuß j.L. verhinderten die Schließung der Schule. Es wurde eine Inspektion anberaumt, in deren Folge der Erhalt der Schule befürwortet und die Berufung des Pädagogen Dr. Konrad Duden zum Direktor erfolgte. Duden reformierte das Gymnasium und machte es zu einer angesehenen Lehranstalt. Die Schülerzahl wuchs in sechs Jahren von 119 auf 200 an.
  • Das Gymnasium blieb bis 1923 im RUTHENEUM. Dann zog es in das Gebäude des aufgelösten Lehrerseminars in der Hofer Straße, wo es sich heute noch befindet. In die Räume zog damals die Berufsschule ein. Später nutzten hier auch die Volkshochschule, die Hilfsschule und zuletzt (bis Oktober 2007) das Staatliche Förderzentrum "Friedrich Fröbel" Schleiz die Räume im Erdgeschoss als Schulzimmer.